
Erzählt von DaisyHeute erzähle ich dir, was die Bibel über uns Hunde sagt. Keine Sorge, es wird am Ende richtig schön.
Als ich zum ersten Mal nachgeschaut habe, was die Bibel über uns Hunde sagt, war ich ehrlich gesagt ein bisschen gekränkt. Rund 40 Mal kommen Hunde in der Bibel vor, und fast nie ist es freundlich gemeint. Wer aber genauer hinschaut, findet zwischen diesen Stellen etwas, das man nicht erwartet: Geschichten von Menschen, die sich selbst für einen Hund hielten, und von einem Gott, der sie trotzdem an seinen Tisch holt.
Warum Hunde in der Bibel einen schlechten Ruf haben
Die Hunde des alten Orients hatten kein Körbchen und kein Halsband wie ich. Sie lebten meist in Rudeln am Rand der Städte, ernährten sich von Abfällen und galten als unrein. Deshalb ist „Hund“ in der Bibel oft ein Schimpfwort. Goliath fragt David empört, ob er ein Hund sei, weil der mit einem Stock auf ihn zukommt ✦1. Samuel 17:43✦. Und im Buch der Sprüche heißt es wenig schmeichelhaft, dass ein Narr seine Dummheit wiederholt wie ein Hund, der zu dem zurückkehrt, was er erbrochen hat ✦Sprüche 26:11✦. Fenny sagt, das sei nur ein Gerücht. Ich sage dazu lieber nichts.
Am eindringlichsten ist Psalm 22, ein Psalm Davids. Er beschreibt einen Menschen, der von seinen Feinden umzingelt ist:
Denn Hunde umringen mich, eine Rotte von Übeltätern schließt mich ein; sie haben meine Hände und Füße durchgraben.
Diesen Psalm hat Jesus am Kreuz gebetet. Seine ersten Worte, „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, stehen in ✦Matthäus 27:46✦.
Hunde, die arbeiten
Ganz ohne gute Hunde kommt die Bibel trotzdem nicht aus. Hiob erwähnt „die Hunde meiner Herde“ ✦Hiob 30:1✦, also Hirtenhunde, die mit den Schafen unterwegs waren. Mich nennen übrigens viele Leute im Winter ein Schaf, aber das ist eine andere Geschichte. Im Buch Tobit, das in katholischen Bibeln steht und bei Luther zu den Apokryphen gehört, begleitet sogar ein Hund den jungen Tobias und den Engel Raphael auf ihrer ganzen Reise. Es ist der einzige Hund der Bibel, der einfach nur dabei ist, weil er dazugehört.
Dass Hunde in der Gegend auch geschätzt wurden, zeigt die Archäologie. In Aschkelon, einer phönizischen Hafenstadt an der Küste Israels, fanden Ausgräber der Harvard-Universität die Gräber von mehr als 1.300 Hunden aus dem 5. und frühen 4. Jahrhundert vor Christus. Jeder Hund lag in einer eigenen Grube, auf der Seite, den Schwanz sorgfältig an die Hinterbeine gelegt. Es ist der größte Hundefriedhof, der aus der Antike bekannt ist. Diese Hunde waren jemandem wichtig.
„Ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe“
Mein Lieblingssatz über Hunde steht im Buch Prediger:
Denn für jeden Lebendigen, wer er auch sei, ist noch Hoffnung (denn ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe).
Der Hund ist hier das Geringste, was man sich vorstellen kann, und der Löwe das Prächtigste. Trotzdem gewinnt der Hund, weil er lebt. Ich bin ein sehr kleiner Hund, und dieser Satz macht mir jedes Mal Mut. Solange du lebst, ist deine Geschichte nicht zu Ende, so klein du dich auch fühlst.
„Ein toter Hund, wie ich einer bin“
Mephiboset war der Enkel von König Saul und der Sohn von Davids bestem Freund Jonatan. Als Kind wurde er auf der Flucht fallen gelassen und war seitdem „lahm an beiden Füßen“ ✦2. Samuel 9:13✦. Nach dem Tod seines Vaters und seines Großvaters lebte er fern vom Hof in Lodebar. Als Enkel des alten Königs musste er vom neuen das Schlimmste fürchten. Dann ließ David ihn holen. Mephiboset fiel vor ihm auf sein Angesicht. David aber sagte zu ihm: „Fürchte dich nicht“, gab ihm das ganze Land seines Großvaters zurück und sagte, er solle täglich an seinem Tisch essen ✦2. Samuel 9:7✦. Mephiboset antwortete:
Wer bin ich, dein Knecht, daß du dich wendest zu einem toten Hunde, wie ich einer bin?
So sah er sich selbst: wertlos, ein toter Hund. So sah ihn der König nicht. Das Kapitel endet damit, dass Mephiboset täglich am Tisch des Königs isst.
Die Frau, die Jesus nicht wegschickte
Jetzt kommt meine Lieblingsgeschichte. Sie steht in ✦Matthäus 15:21✦ bis 28 und ebenso in ✦Markus 7:24✦ bis 30. Eine Frau aus der Gegend von Tyrus und Sidon kommt zu Jesus. Sie ist keine Jüdin, sie gehört nicht dazu, und ihre Tochter ist schwer krank. Sie schreit ihm nach. Die Jünger wollen sie loswerden: „Fertige sie ab; denn sie schreit uns nach!“ ✦Matthäus 15:23✦. Sie aber fällt vor Jesus nieder und sagt nur: „Herr, hilf mir!“
Jesus antwortet mit einem Bild, das zunächst hart klingt:
Es ist nicht fein, daß man das Brot der Kinder nehme und es den Hündlein vorwerfe!
Im griechischen Text steht hier nicht das übliche Wort für Hund, sondern kynarion, eine Verkleinerungsform. Gemeint sind die kleinen Hunde, die im Haus leben und unter dem Tisch auf etwas warten. Also Hunde wie ich. Das Wort kommt im ganzen Neuen Testament nur in dieser einen Geschichte vor. Viele Ausleger sehen darin eine Einladung, weiterzusprechen, und genau das tut die Frau. Sie nimmt das Bild auf und hält sich daran fest:
Ja, Herr! aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Ich weiß genau, wie das ist, unter dem Tisch zu sitzen und auf ein Krümelchen zu hoffen. Die Jünger wollten sie wegschicken. Jesus schickt sie nicht weg. Er sagt: „O Frau, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst!“, und ihre Tochter ist von jener Stunde an gesund ✦Matthäus 15:28✦.
Was das mit dir zu tun hat
Fast jede dieser Geschichten erzählt von jemandem, der sich klein, ausgeschlossen oder wertlos fühlte: ein Hund unter dem Tisch, ein toter Hund am Boden vor dem König. Und jedes Mal endet sie am Tisch. Jesus hat es so gesagt:
Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.
Deshalb heißen wir The Bible Dogs. Fenny und ich geben genau das jeden Tag weiter: Niemand ist zu klein, niemand gehört nicht dazu, und niemand wird weggeschickt. Auch du nicht.
Bibelzitate: Schlachter 1951, © Genfer Bibelgesellschaft, CC BY 4.0. Quellen: Bible Hub, Strong's 2952 (kynarion); Lawrence E. Stager, „Why Were Hundreds of Dogs Buried at Ashkelon?“, Biblical Archaeology Review 17:3 (1991); Leon Levy Expedition to Ashkelon (Grabungen 1986 bis 1994).